Brain at Work: Intelligenter arbeiten, mehr erreichen

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Kategorie: Wirksamkeit, Persönlichkeit

Autoren: David Rock

Verlag: Campus

ISBN: 978-3593393407

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Noch ein Buch, wo ich dachte: Ingenieure konstruieren eine Arbeitsmethodik wie eine Produktionslinie. Die Welt steuern sie gezielt – schön linear, standardisiert, geringe Varianzen. Dann surrt die Maschinerie. Der Mensch fügt sich ein. Als Homo Oeconomicus arbeitet er gleichermaßen objektiv und rational. Er hat seine Emotionen im Griff und hält sich strikt an sein Zeitmanagement. Schöne heile Welt!

Selten höre ich, dass dieses Wunschdenken funktioniert. Trotzdem bringt dieser antiquierte Denkansatz immer raffiniertere Varianten hervor; wirksamer sind sie nicht. Sie wissen ja: wer einen Hammer hat… In der Realität überschlagen sich die Dinge. Sie sind diffus, widersprüchlich, paradox. Selbst die Logik hält dem nicht stand. Außerhalb des Gedankengebäudes von Ökonomen und tayloristischen (Projekt- und Prozess-) Managements verliert die heilige Ratio an Glaubwürdigkeit. Wir Menschen entscheiden und handeln emotional. Das gilt gleichermaßen für Projekte, Change-Management, Innovation und andere komplexere Vorhaben.

Um das Meistern von Komplexität geht es Rock: Unser zentraler Engpass ist unsere begrenzte Aufmerksamkeit und Willenskraft. Beide mentalen Ressourcen sind energieintensiv. Als Folge sind wir schnell überfordert und verzetteln uns. Anstatt also die äußere Welt zu ordnen, überlegt sich Rock, wie wir die innere Welt organisieren können. Wie also arbeitet das Gehirn beim Denken, Lösen, Planen und im sozialen Miteinander? Rock zeigt auf, wie wir auf diese mentalen Prozesse einwirken können. Sein zentraler Ansatz: über das Denken nachdenken.

Zentral dafür ist das Abstraktionsvermögen. Anstatt Details anzuhäufen und sich in ihnen zu vergraben, reicht es aus, mit verfügbaren Daten intelligenter umzugehen. Dazu gibt Rock zahlreicher Hinweise. Wer zudem achtsam ist, öffnet die Pforten zu mehr Gehirnkapazitäten. Das fördert wiederum das Gedächtnis, weil Erinnerungen und Emotionen zusammen gehören.

Um den Umgang mit Ungewissem zu verbessern, ist es unerlässlich, die Rolle unserer Erwartungen zu verstehen. Nur wer seine Erwartungen reflektiert, meistert Komplexität. Wir blicken offener in die Welt und beugt einer gewissen Betriebsblindheit vor. In der Folge würden wir entsprechend interpretieren und (andere) sanktionieren.

Wie zu erwarten bestimmen Emotionen auch das Zwischenmenschliche. Vor allem Status, Sicherheit und Autonomie müssen gewahrt werden. Ein Verstoß dagegen bricht sich in Konflikten bahn – in der Regel versteckt über sachliche Themen. Fairness ist dabei der treibende Faktor.

Rock zeigt uns in diesem Buch, wo unser Gehirn an seine Grenzen stößt und wie wir damit geschickter umgehen. So ausgestattet, meistern wir unseren Alltag und vor allem komplexe Situationen besser. Die Anlagen dafür hat jeder. Dabei kommt das Buch ohne ingenieursartige Normierungen aus, wie die Welt funktionieren sollte. Rock listet schlicht die Fakten auf. Absolut lesenswert. Ein Muss für alle Wissensarbeiter.

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